Es war einmal ein Frosch. Der Frosch hopste durch den Wald. Über Wald-, aber keine Holzwege. Über Stock, Stein und boshafte Wurzeln. Etwas müde war er, der Frosch. Jedoch, wie ein gelehrter Mann einst sagte: »Jung’, wat willste mache?«
Der Frosch hopste also seinen Weg entlang. Sein Weg wurde dadurch zu seinem Weg, dass er ihn entlanghopste. Wäre der Frosch einen anderen Weg entlanggehopst, dann wäre ein anderer Weg zu seinem Weg geworden.
Auf seinem Weg gelangte der Frosch an eine Gabelung. Diese Gabel hatte, wie für wald- und handelsübliche Gabeln üblich, vier Zinken.
Der Frosch musste wählen, welche der vier Zinken zu seinem Weg werden würde, denn zerreißen konnte und wollte er sich nicht. Nein, er war nicht froh über diese neue Freiheit. Der Frosch hätte bevorzugt, wenn sein Pfad geradlinig wäre. Hakenschlagen nach Art der Hasen ist doch so gar nicht froschgemäß. Hohe Sprünge ja, Haken nur zur Not.
Der Frosch studierte die vier Wege. Er, ein geschwätziger Frosch, sah bald, dass jeder dieser Wege sein Weg sein konnte. Es waren die Zinken seiner Gabel.
Ein Weg hieß: »Der Frosch schweigt.«
Ein Weg hieß: »Der Frosch plappert irrelevante Dinge.«
Ein Weg hieß: »Der Frosch sagt die Wahrheit und der Storch sperrt ihn sogleich ins Froschgefängnis.«
Ein Weg hieß: »Der Frosch sagt sehr relevante und sehr wahre Dinge, deren Relevanz und Wahrheit allerdings versteckt ist, da der Frosch zwar nicht schweigen kann, aber auch nicht sein kurzes Froschleben mit Irrelevantem vergeuden will, und doch nicht ins Froschgefängnis gesperrt werden will, und dafür lieber in Kauf nimmt, für einen Frosch gehalten zu werden, der einmal zu hoch gehüpft und mit dem Froschkopf an einen niedrig hängenden Ast geknallt ist.«
Wir inneren Beobachter dieser Froschgedanken fragen uns selbstredend sofort: »Ist jener Zusammenstoß zwischen Froschkopf und Baumast auch verantwortlich dafür, dass ein Tümpelbewohner überhaupt durch den Wald hopst?«
Es wäre plausibel, doch in diesem Fall nicht zutreffend.
Der Frosch war seinem Tümpel entflohen, weil ein tümpelüblicher Frosch, entgegen anderslautenden Metaphern, durchaus auf steigende Tümpeltemperaturen reagiert, und zwar durch rasches Hinaushüpfen.
(Darin unterscheidet sich ein Frosch im Übrigen vom deutschlandüblichen Tagesschau-Publikum. Diese Kröten sitzen im inzwischen siedenden Wasser und merken nicht, dass ihnen die Krötenhaut weggekocht wird – ironischerweise während eben die Krötenkocher in lügenroten Deutschlandkarten berichten, es würde gerade so viel wärmer werden, außer an den Punkten, wo es tatsächlich brennt.)
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Der Essay Nicht sein kurzes Froschleben mit Irrelevantem von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://dushan.org/tagebuch/sein-kurzes-froschleben/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!

