Irren oder irre werden

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Linke ignorieren die Konsequenzen ihres Tuns – Rechte womöglich die Konsequenzlosigkeit ihres Tuns. Und doch, und deshalb: Wer heute klar denkt, muss hoffen, dass er irrt.

Erschreckend viele Deutsche sehen ja, dass das System Deutschland beschädigt ist. Man könnte sagen: kaputt.

Doch viele halten den Versuch für aussichtslos, diese „deutsche Lähmung“ zu überwinden. Ich will gestehen, dass ich möglicherweise zu diesen Leuten gehören könnte.

Ich entschuldige mich mit dem angenommenen Denken der anderen Leute: Um den Job zu behalten, handeln sie selbst wie gelähmt. Und so werden sie zum Teil der Lähmung. Die deutsche Lähmung ist ein selbst-lähmendes System.

Die Schlinge um Deutschlands Hals ist auch eine spieltheoretische: Auch die, deren Gehirn noch nicht vollständig von der 20-Uhr-Propaganda gewaschen, gebleicht und gebügelt wurde, wollen die Lähmung nicht beheben. Bringt ja nichts.

Man beachte, dass das lauteste Argument, warum ein weiterer Rettungsversuch gestartet werden soll, zuverlässig lautet: aus Prinzip.

Damit aber gleicht das Argument der verhinderten rechten Weltverbesserer dem mancher ungehinderter linker Weltenzündler: Es ist Pflichtethik.

Der Linke öffnet die Grenzen, und wenn die Welt dran verbrennt, weil er sich in moralischer Pflicht sieht. Pflicht über Konsequenzen, Prinzip über Menschenleben.

Der Nicht-Linke aber, der für die Rettung seines Landes kämpft, auch er tut dies oft aus Pflicht.

Linke tun Dinge, weil sie sich zu diesen „verpflichtet“ fühlen, und das Leid und die Zerstörung als tatsächliche Konsequenz sind ihnen egal. Das ist ja der Zweck der „politischen Korrektheit“ und anderer Denk- und Sprechverbote: die Realität und reale Konseqenzen aus dem Blick und damit aus der Debatte entfernen.

Links-Sein und Psychopath-Sein haben Schnittmengen in Denkweise und Verhalten.

Nicht-Linke aber tun schon mal Dinge, eine objektiv positive Veränderung erhoffend, doch bei näherer Betrachtung müsste jedem klar werden, dass es aussichtslos ist.

Die einen ignorieren die schrecklich bösen Konsequenzen ihres Tuns. Die anderen ignorieren die Konsequenzlosigkeit ihres Tuns.

Was ist besser?

Ich frage nicht, was sympathischer ist. Natürlich ist jedem Menschen mit Herz und Seele der Rechte sympathischer, wenn er sagt: „Wir haben keine Chance, nutzen wir sie!“

Nichts, wirklich nichts rechtfertigt moralisch, was Linke tun. Linke Fake-Moral setzt voraus, jenen sehr wesentlichen Teil des Gehirns absterben zu lassen, der Realität und reale Konsequenzen mit dem eigenen Wollen und Handeln abgleicht.

Linke ignorieren die Realität und ihre Mechanismen – und setzen dann als Prämisse, dass sie in ihrer Illusion nicht irren können.

Heutige Rechte dagegen, genauer: Nicht-Linke, nehmen die Realität samt aller Ausweglosigkeit zur Kenntnis. Und dann setzen sie darauf, dass sie in ihrer Annahme des Schlechten irren.

Ja, wer klar denkt, muss heute hoffen, dass er irrt, denn ganz richtig zu liegen wäre zum Irrewerden.

Was meint ihr? Irren oder irre werden?

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