„Ich kann mich einfach nicht entscheiden!“, so sagt der Mensch schon mal.
Oder auch: „Ich bin der Entscheidungen müde. Heute werde ich nicht mehr entscheiden.“
Sind Entscheidungen denn „Arbeit“ zu nennen, wenn sie schon so anstrengend sind?
„Entscheidungsträger“ werden ja für ihre Entscheidungen gut bezahlt.
Mancher ringt auch in seinem persönlichen Leben mit großen Entscheidungen. Jugendliche müssen sich entscheiden, oder sollten es zumindest, was sie mit ihrem Leben anstellen wollen, wovon sie leben werden, welcher Aufgabe sie sich widmen werden.
Mancher Erwachsene, aber auch mancher Jugendliche ringt mit der Frage, ob er auswandern soll. Ich schrieb darüber in Texten wie: „»Soll ich aus Deutschland auswandern?«“
Für manche Wanderlustige sind die Organisation, die Finanzierung, die neue Wohnung und sogar eine eventuelle Jobsuche nur Probleme Nummer zwei bis fünf. Die erste und größte Hürde ist regelmäßig die Entscheidung. Die Entscheidung, bevor es zu spät ist.
Wie komme ich darauf, heute über Entscheidungen nachzudenken? Lasst mich ausholen!
Zu diesem Text gibt es ein Video (siehe YouTube). Wer es anschaut, hört im Hintergrund sanfte Klaviermusik. Mal wird sie leise, dann wechselt sie plötzlich zur Orgel, dann kehrt sie zum Klavier zurück.
Ihr ahnt es vielleicht: Diese Musik wurde von Kollege Computer generiert, und zwar nachträglich.
Erst nehme ich den Text auf. Dann analysiert die KI, was ich gesagt habe, komponiert die Musik dazu und mischt sie mit dem Video zusammen.
In diesem Fall trifft die KI die Entscheidung, welche Musik gespielt wird. Doch zuvor war es an mir, das Modell auszuwählen und die generellen Entscheidungen zur Musikrichtung zu treffen – und überhaupt zu entscheiden, dieses lustige Experiment mit sehr echtem Inhalt anzugehen.
Ich arbeite täglich mit KI, und ich weise ein Team von Agenten an, Systeme zu warten oder Features zu entwickeln. Aktuell etwa Widgets für die Latin-Prayer-App, also die Funktion, dass ihr auf dem Startbildschirm eures Handys sehen könnt, was die aktuellen Bibelverse sind oder wie ihr mit dem Rosenkranz dasteht.
Durch künstliche Intelligenz wird die Entwicklung einer neuen Funktion schon mal von einem halben Monat auf eine Stunde oder noch weniger reduziert. Das klingt toll. Das bedeutet aber auch: Du musst jeden Tag so viele technische Entscheidungen treffen wie früher in einem halben oder ganzen Jahr.
Durch KI werden immer mehr von uns zu Entscheidungsträgern werden.
Entscheidungsträger mit der Entscheidungsfrequenz eines Vorstandsvorsitzenden. Aber leider nicht mit dessen Gehalt oder sozialem Status.
Ich will es offen gestehen: Mir sind die Entscheidungen schon heute an manchen Tagen einfach zu viel. Ich spüre, ich sollte dieses oder jenes noch entscheiden, aber ich kann einfach nicht mehr. Und würde ich die Entscheidung doch treffen, wäre sie keine wirklich objektive, produktive, optimale. Keine, die dem Gegenstand angemessen ist.
Ich suche nach Wegen, um mehr gute Entscheidungen pro Tag treffen zu können – positiv und produktiv.
Vielleicht könnt ihr euch ja entscheiden, mir zu schreiben, wie ihr mit der neuen „Entscheidungsfrequenz“ klarkommt! Und vielleicht verraten ein paar altgediente CEOs, wie man viele Entscheidungen pro Tag trifft, ohne dass die Qualität leidet.
Im Video klingt es an dieser Stelle mit ein paar Sekunden Musik aus.
Weiterschreiben, Wegner!
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