Ein am Boden des Meeres liegendes Boot kann tiefer sinken. Zum Beispiel wenn der Meeresboden unterm Wrack sich auftut und eine neue Meeresspalte bildet.
Auch dann lässt sich sagen: „Es tun sich neue Abgründe auf.“
Dies ist mein Tagebuch, und würde ich es im prototypischen Stil als eigene, hörende Entität ansprechen, so müsste ich heute schreiben: „Liebes Tagebuch, gestern lag mein Vertrauen in die menschliche Vernunft und Anständigkeit auf dem Meeresboden, gestern meinte ich nicht weniger aufs Gewissen der Autoritäten vertrauen zu können. Doch ich irrte. Es geht tiefer, und weniger ist möglich.“
Ach, ihr könnt hier selbst aktuelle Beispiele von Politikern, Journalisten und den ach so geschätzten Nachbarn einfügen. Ich muss ehrlich zu Protokoll geben, dass mein heutiger „neuer Abgrund der Enttäuschung“ sich auftat, als ich die Anweisungen eines amerikanischen Bischofs hörte (@CatholicSOTC, 13.10.2026; siehe auch lifesitenews.com, 13.10.2026 und PDF auf dioceseofgaylord.org).
Ob einige westliche Bischöfe, zu viele westliche Journalisten oder viel zu viele westliche Politiker: Es ist kaum zu leugnen, dass westliche Verantwortliche darauf versessen scheinen, das zu schwächen, dessen Bewahrung ihnen formal aufgetragen ist. Und wenn du meinst, den Boden des moralischen Morasts erreicht zu haben, geht’s am nächsten Tag noch tiefer.
Auch wenn du es nicht belegen kannst, dass die Sonne morgen aufgehen wird, so ist es doch vernünftig, davon auszugehen, dass sie es tun wird. Ähnlich mit den Abgründen: Du willst und kannst dir nicht vorstellen (oder gar erklären), dass es morgen weiter moralisch (und intellektuell) bergab geht. Und doch erzwingt die bisherige Regelmäßigkeit die Annahme, dass morgen wieder passiert, was gestern und vorgestern zuverlässig passierte.
Worauf sollte man also bauen und vertrauen?
Eine naheliegende Antwort: auf Prinzipien und Werte, die den Menschen und seine zuverlässige Fehlbarkeit transzendieren.
Liebes Tagebuch, ich höre hier deine Rückfrage: „Nach welchen Kriterien aber soll ich diese übergeordneten Werte auswählen? Und ist nicht auch das ein menschliches Unterfangen, und damit menschlicher Fehlbarkeit unterworfen?“
„Ja, das ist es“, antworte ich diesem Tagebuch, „es gilt, Werte und Gewissheit zu finden, welche so zuverlässig gelten, wie die Zahl der Finger deiner Hand eben diese Zahl bleibt, ob du gerade aufgeregt oder wohlgeordnet bist, in der Masse oder allein.“
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Der Essay Neue Abgründe, sich auftuend von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://dushan.org/tagebuch/neue-abgruende/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!

