Ich lernte dieser Tage von einem gar merkwürdigen neuen Ritual, das in der einst britisch und heute selbst verwalteten Gefängniskolonie Australien praktiziert wird.

Es ist eine Zeremonie namens „land acknowledgement“. Dieses neue Ritual wurde in Australien vor dem ersten dort stattfindenden NFL-Spiel abgehalten. American Football down under. San Francisco 49ers gegen Los Angeles Rams auf dem Melbourne Cricket Ground. Non olet: ausverkaufte 100.021 Sitze.
Vor dem Spiel aber wurde zum „land acknowledgement“ innegehalten. Es war sehr, was man im modernen Englisch „cringe“ nennt, eine Variante des deutschen Fremdschämens.
Wir sehen eine bebrillte und sehr weiß-aussehende Dame mit Fell-Umhang und einem traurigen Ast in der Hand. Die Dame bedankt sich bei der „Kulin Nation“ und den Nachbarinseln.
Mit etwas Recherche erfahre ich, dass die Dame „Aunty Joy Murphy Wandin“ heißt und „Senior Wurundjeri Elder“ der „Kulin Nation“ ist, bei der sie sich für die Natur bedankt, wenn ich das richtig verstehe. Diese „Kulin Nation“ ist ein Verbund von fünf Stämmen australischer Ureinwohner, namentlich: Woiwurrung, Boonwurrung, Taungurung, Wathaurong und Dja Dja Wurrung.
Die Namen dieser Stämme wissen wir übrigens, weil Europäer sie transkribiert und aufgeschrieben haben. Die Ureinwohner Australiens lebten über 50.000 Jahre auf ihrem Kontinent, ohne Schrift zu entwickeln.
Hält man also Zeremonien ab, um den weißen Europäern für Zivilisation, Gesundheitsversorgung, zuverlässige Nahrung und Bildung zu danken?
Nein, in Australien hält man einen „National Sorry Day“ ab. Frei übersetzt: „Nationaler Es-tut-mir-leid-Tag“. Und nein, das ist kein böser Scherz dieses Essayisten. Der „National Sorry Day“ wird jährlich am 26. Mai begangen (siehe Wikipedia). Formal geht es um „Zwangsentfernungen“ von Kindern, auch „Zwangs-Adoptionen“ genannt, die „Stolen Generation“. Ich gehe davon aus, dass diese Fälle echter sind als der kanadische Massengrab-Schwindel der jüngeren Trudeau-Ära (nypost.com, 31.8.2023), der sehr reale Kirchenbrände provozierte.
Der oben zitierte Post auf X aber stellte die These auf, dass solche Zeremonien das Gebet ersetzen, mit dem Christen eine Veranstaltung eröffnen.
Doch ist es wirklich ein Gebet? Mir scheint, es ist vor allem ein großes Schuldeingeständnis.
Eine Demütigung.
Doch genau das ist tatsächlich religionsartig.
Wir bekennen es bei jeder Messe: mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa. Meine Schuld, meine Schuld, meine übergroße Schuld.
Wir bekennen unsere Schuld auch dem Priester in der Beichte, doch ist es unsere Schuld gegenüber Gott.
Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Römer 2:14-15 von den Heiden, die das Gesetz nicht haben und denen doch ein Gesetz ins Herz geschrieben ist. An diese erinnern mich die Heiden und „modernen“ Christen, die sich irgendwie „spirituell“ fühlen wollen und doch eine Schuld gegenüber „Höherem“ spüren.
Ich bekenne meine Schuld gegenüber dem, der über mir herrscht. Wer aber keinen Gott mehr kennen will, der bekennt seine Schuld eben bei schriftlosen Stämmen, bei Mutter Erde oder sonstwem.
Ich selbst wende mich ja lieber an den Schöpfer als an das Geschaffene.
Weiterschreiben, Wegner!
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